
Finntroll: Ur Jordens Djup (CD-Kritik)
Klar, Nattfödd war und ist ein sehr gutes Album. Ich habe trotzdem stets lieber Midnattens Widunder und Jaktens Tid gehört und diese Alben gerade wegen ihrer rohen, geradezu naiven Schwärze geliebt. Mittlerweile ist das fünfte Studioalbum Ur Jordens Djup erschienen.
„Aus den Tiefen der Erde“ schienen Finntroll ja schon immer zu kommen, denn anders als andere Bands zerbrachen sie nicht an den vielen Lineup-Wechseln, sondern wurden im Gegenteil immer besser. Zuletzt musste der Rauswurf von Tapio Wilska, den ich noch live als Röcheltroll (und später angetrunken am Autogrammtisch) erlebt habe, kompensiert werden. Gefunden wurde Mathias Lillmåns alias Vreth, im Vergleich zum großen dicken Wilska eine geradezu zerbrechliche Gestalt. Aus zahlreichen Vorabberichten zu Ur Jordens Djup konnte man aber entnehmen, dass Vreth durchaus stand- und trinkfest ist. Und was noch viel wichtiger ist: Seine stimmliche Leistung überzeugt vollends. Darüber hinaus besticht das neue Material durch seine kompositorische Qualität – Schwächen oder gar langatmige Stellen findet man auf Ur Jordens Djup nicht. Das ein oder andere Riff klingt zwar von Jaktens Tid bekannt, manche der Keyboardklänge kann man außerdem getrost als Old School bezeichnen; Selbstkopisten sind Finntroll deswegen aber noch lange nicht. Schon das Intro Gryning zeigt auf, was das ganze Album hält: Alles neu, aber trotzdem klassisch Finntroll – mit schön gruselig-geheimnisvollen orchestralen Klängen, Kriegstrommeln und fordernd einsetzenden Gitarren... Rumms! Und los geht's. Man merkt sofort, wo der neue Weg der Trolle hinführt: Alles ist eine Nummer schwärzer und erhabener als zuvor, darüber liegen die geilsten Keyboardarrangements, die man jemals von Trollhorn gehört hat und natürlich Vreths tiefschwarzes Röcheln, das in der Tat direkt aus der Erde zu kommen scheint. Die Songs gehen eindeutig mehr in Richtung Black Metal als zuletzt, die heiteren und hochprozentigen Melodien fehlen trotzdem nicht – eine Gratwanderung, die sowohl Spaß macht als auch musikalisch interessant ist. Die besten Songs sind meiner Meinung nach Sång, Slagbröder und Maktens Spira (inkl. abgefahrenem Gitarrensolo!) – leider findet sich dazwischen kein Sofort-ins-Gehirn-und-nicht-mehr-raus-Hit wie Trollhammaren, das macht aber auch nix.
Zum Sound der Platte kann man nichts anderes sagen als „Gewaltig!“ – speziell die Gitarren röhren so fett, dass es einem die Rübe abschraubt.
Finntroll zeigen mit Ur Jordens Djup eindrucksvoll, dass sie weit mehr auf der Pfanne haben als fröhliche Trinklieder mit ein bisschen Black Metal im Hintergrund zu rülpsen und festigen damit ihre Königsstellung im Bereich des Pagan/Folk Metal. Doch die Zukunft wird beweisen, dass Finntroll noch mehr können – ihr Meisterwerk steht nach wie vor aus. Bis dahin höre ich aber pausenlos Ur Jordens Djup.
90 von 100 Punkten

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Weblog: AnonymAufgenommen: 18. Mai 2007
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