
Geisterbahn täglich
Für mich als Großstadtkind ist es jeden Tag ein schöner Moment, mit der S-Bahn am Flughafen Tempelhof vorbei zu fahren, die weiträumige Grasfläche und die zweifelsohne wunderbare nationalsozialistische Architektur zu bestaunen.
Davon abgesehen ist Ringbahn fahren die Hölle. Heute kam so ein abgebrochener Libanese mit einem Fahrrad rein; er drängte mich in eine Ecke, stellte mir das Fahrrad auf die Füße und setzte sich. Gestern polterten zwei fette Kinder durch den Waggon, sie stanken meterweit nach einer Mischung aus Schweiß, Kacke und Zigarettenasche. Letzte Woche hatte ein Maurerlehrling nichts besseres zu tun, als sich von Schöneberg bis zum Ostkreuz lautstark über alte Omis auszulassen, die ihm den wohlverdienten Sitzplatz streitig machten.
Man erlebt die dollsten Dinger. Zum Beispiel den Bahnhofsvorsteher vom Südkreuz, der eines Morgens folgende Ansage machte: „Eingefahrener Gleis, äh, Gleis Zug 4, eingefahrene Richtung... Ringbahn 41, zurückbleiben bitte!“ - Am Bahnhof Herrmannstraße spazierte neulich eine Taube in den Zug hinein; sie wurde mit einem Fußtritt von einem aufgebrachten alten Herrn wieder heraus geleitet. Und nur zu gern erinnere ich mich an das herrenlose Fahrrad eines Morgens, dem ich nach der Arbeit wieder begegnete.

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Weblog: AnonymAufgenommen: 18. Mai 2007
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