3 : 3 = 1 Punkt
Dienstag, 10. Oktober 2006

Jahn-Sportpark, Montagabend.

Täglich haben wir trainiert. Täglich haben wir unseren Geist und unsere Körper bis auf's Äußerste strapaziert, haben geschwitzt, gekämpft, unsere Nerven und Muskeln gestählt, uns bis zur letzten Faser verausgabt - jeden verdammten Tag. Bestimmt kann uns der Kickertisch schon nicht mehr leiden, so wie wir ihn immer malträtieren.

Und dann muss man auf dem Platz, professionell ausgestattet mit einheitlichen Trikots, persönlichen Rückennummern, Schienbeinschonern und straff geschnürten Töppen ernüchtert feststellen, dass man die Hände nicht benutzen darf...

Doch warten wir Piets Videoanalyse ab...

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Voll... äh, Vorbildliches Scheitern
Montag, 9. Oktober 2006

Friedrichstraße, heute ausnahmsweise mal kein Kaffee.

Ich verzichte heute bewusst auf Kaffee. Nachher spiele ich noch Fußball, da bleibe ich heute mal gesund. Was das für Folgen haben würde, hätte ich im Traum nicht geahnt.

Von Kopf- und Gliederschmerzen abgesehen, ist die mangelnde Konzentrationsfähigkeit am schlimmsten. Ich bin heute - so unglaublich es auch klingen mag - mehrmals daran gescheitert, das Wort "Vollbild" zu tippen. Einmal ergab sich sogar die Vokabel "volldebil"... ein Zeichen?

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Rage against Red Hot Chili
Samstag, 7. Oktober 2006

Fritzclub, Herrentoilette.

A: "Ey, Chili Peppers, nee ey..."

B: "Man kann doch nicht Rage Against The Machine und dann Chili Peppers -"

A: "Man kann überhaupt nicht Chili Peppers!"

B: "Chili Peppers sind nur für die Frauen..."

A: "Chili Peppers, nee ey..."

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Geld hat man nicht
Freitag, 6. Oktober 2006

Saturn am Alex, heute nach Feierabend.

Geld hat man nicht. Man trägt es nur zum nächsten Besitzer (Blutsauger).

Wenn ich mal Geld habe, ist es auch schon wieder weg. Das ist wie mit sublimierendem Eis - das schmilzt nicht erst, sondern verdampft sofort.

Grund ist die Veröffentlichung von Unleasheds neuem Album Midvinterblot. Mir wird das Geld egal sein.

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Freundlichkeit wird groß geschrieben
Donnerstag, 5. Oktober 2006

PLUS-Markt, Kochstraße.

Randvolle Stoffbeutel in beiden Händen, die Umhängetasche zerrt an der Schulter. Mit der freien Schulter versuche ich die nicht-automatische Supermarkttür (hinter der sich die frische Luft befindet) aufzudrücken. Und zwar so, dass meine Tasche mit dem abgepackten Kuchen drin nicht zwischen mich und die Tür gerät.

Ein schwieriges Unterfangen.

Als ich (mit dem Rücken an die Glasscheibe drückend) die Tür endlich zum Öffnen überreden kann, winkt mir die Kassiererin mit einem zerknüllten Papier zu:

"Brauchen Sie eigentlich den Kassenzettel?"

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Wesentliche Unterschiede zwischen Sommer und Herbst
Montag, 2. Oktober 2006

Friedrichstraße, Berlin-Mitte.


Im Hochsommer ist es üblicherweise dermaßen heiß, dass man jeden Morgen schweißgebadet erwacht – obwohl man die Nacht in weiser Voraussicht nackt und unbedeckt auf dem Balkon verbracht hat.

Im Spätsommer sind die Tage noch genau so heiß, die Nächte werden aber frisch. Wem dann wie mir noch wochenlang der Juli in den Knochen steckt, der trägt den ganzen August lange Hosen, weil es ja früh morgens, wenn der Wecker klingelt, riesenschweinekalt ist.

Wenn dann der Herbst anfängt, sind die Tage nur noch mild, während die Nachttemperaturen sich auf Augustniveau halten – der Tag-Nacht-Unterschied ist Ende September am geringsten.


Die Einsicht, dass der Sommer noch gar nicht zu Ende ist, kommt mir jedes Jahr zu dieser Zeit. Zwei Tage vor Herbstbeginn habe ich Geburtstag, da ist immer gutes Wetter. Dann trage ich wieder kurze Hosen.


Bis in den November hinein, wenn es wirklich schweinekalt wird.

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Haarbüschel des Grauens
Freitag, 29. September 2006

M48, Potsdamer Straße.

In öffentlichen Verkehrsmitteln begegnet einem oft das blanke Grauen. Nicht genug, dass es ständig nach humanoiden Ausdünstungen müffelt. Drauf geschissen, dass man nie einen sauberen Sitzplatz bekommt. Miefende alte Säufer neben einem, na und? Schreiende Blagen, pah.

Das wirkliche Übel lauert in metaphysischer Form.

Zwei Reihen vor mir, neben einem bunt besprenkelten Herrn (wahrscheinlich Maler), saß eine Frau mit einem fettigen graubraunen Lockenmopp auf dem Kopf. Am Scheitel pappten die Haare wie festgeleimt, während sie sich zu den Spitzen hin in tranig glänzenden Strähnen verloren.
Es widerstrebt mir eigentlich, ein solches Übel fasziniert anzustarren. Aber da saß unübersehbar eine kirschgroße Wollmaus an ihrem Kragen, der Farbe nach zu urteilen wohl ihr Eigenhaar. Eine Weile betrachtete ich dieses Objekt, das man aus der Ferne auch gut für eine fette Kreuzspinne halten konnte, mit einer Mischung aus Ekel und Interesse. Der mausgraue Blazer, den die Frau trug, böte einer Kreuzspinne einen gut tarnenden Untergrund, dachte ich bei mir.

Dann bewegte es sich.

Von seinem Untergrund wie ein gut gelaunter Weberknecht auf und ab wippend, krabbelte das Objekt einige Zentimeter den Rücken hinab und machte dann Halt. Es hörte auf sich zu wiegen und saß fortan wieder still. Nur ein glänzender Faden zwischen ihm und dem Kragen schimmerte noch im Licht.

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Attraktion auf dem Weg zur Arbeit
Mittwoch, 27. September 2006

Checkpoint Charlie, Berlin Mitte.


A: "Mann, Mann... man müsste hier den Jehweg teilen, mitn Zaun oda so. Eene Hälfte nur für de Vorüberjehenden, die andre Hälfte für de scheiß Touris, damit die hier janz in Ruhe die Wand anstarren können."

B: "Und ne Selbstschussanlage für die Radfahrer!"

C: "Jenau, janz wie früher..."

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