Frau am Steuer? Vorurteil.
Dienstag, 21. August 2007

Wer mag alles Vorurteile? Bitte mal melden. Und wer hat Angst vor Frauen am Steuer?

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Aktiv sterben und sich dabei gut fühlen
Dienstag, 5. Juni 2007

Elf Herzinfarkte im 88. Lebensjahr - null Ahnung, wieso man noch lebt.

In Köpenick wurde auf dem Grund des ehemaligen Forum-Kinos ein neues Seniorenheim eröffnet, berichtet die lokale Abendzeitung. Betreiber sei das Vitanas Pflege-Unternehmen.

So weit, so alt.

Mit ein bisschen Geschüttel aber lässt sich Vitanas zu Vanitas* umstellen... ob das Absicht war?

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* Vanitas = Symbol der Vergänglichkeit alles Irdischen, ab dem Barock Ausdruck starker Todessehnsucht

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Rør om
Dienstag, 22. Mai 2007

S1.

Die S-Bahn ist berstend voll. Im Fahrradabteil kann man auch ohne Fahrrad keinen Schritt tun. Alle Fenster sind offen. Viele Leute unterhalten sich, manche lesen Zeitung, ein Kind lacht. Ein junger Mann mit sehr hoch sitzender Baseballmütze und sehr tief hängenden Hosen hört laut Rapmusik, zwei Reihen weiter hört ein anderer laut Rockmusik. Beide starren unauffällig eine junge Frau mit Sonnenbrille und Minirock an.
Eine dicke Frau mit bunten Kleidern feilt seit einer Viertelstunde über der offenen Handtasche an ihren Fingernägeln, ohne Notiz von den anderen Fahrgästen zu nehmen. Dabei kaut sie unablässig Kaugummi und sieht nicht hoch. Als sie fertig ist, verstaut sie die Nagelfeile im dazu gehörigen Etui, zieht eine Tube Handcreme hervor, wischt mit einer flinken Handbewegung die Finger am Rockzipfel ab und beginnt dann sich die Hände einzucremen. Anschließend holt sie einen goldumrandeten Schreibblock und einen Federhalter aus ihrer Tasche und notiert etwas. Zwei Stationen später tauscht sie die Schreibgeräte wieder gegen einen Handspiegel und einen Lippenstift.
An den Türen stehen behemdete Herren. Im Fahrradabteil liest aus Platzmangel niemand Zeitung. Der Blick auf das Mädchen mit der Sonnenbrille ist inzwischen für beide jungen Männer versperrt, stattdessen wirft ein älterer Anzugträger neben ihr in regelmäßigen Abständen tiefe Blicke in ihr Dekolletée.
Es ist sehr warm, einige Leute hocken am Boden. Die dicke Frau holt ein Sudoku-Heft aus ihrer Tasche. Neben ihr war die ganze Zeit ein Platz frei.

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Geisterbahn täglich
Dienstag, 3. April 2007

Für mich als Großstadtkind ist es jeden Tag ein schöner Moment, mit der S-Bahn am Flughafen Tempelhof vorbei zu fahren, die weiträumige Grasfläche und die zweifelsohne wunderbare nationalsozialistische Architektur zu bestaunen.


Davon abgesehen ist Ringbahn fahren die Hölle. Heute kam so ein abgebrochener Libanese mit einem Fahrrad rein; er drängte mich in eine Ecke, stellte mir das Fahrrad auf die Füße und setzte sich. Gestern polterten zwei fette Kinder durch den Waggon, sie stanken meterweit nach einer Mischung aus Schweiß, Kacke und Zigarettenasche. Letzte Woche hatte ein Maurerlehrling nichts besseres zu tun, als sich von Schöneberg bis zum Ostkreuz lautstark über alte Omis auszulassen, die ihm den wohlverdienten Sitzplatz streitig machten.


Man erlebt die dollsten Dinger. Zum Beispiel den Bahnhofsvorsteher vom Südkreuz, der eines Morgens folgende Ansage machte: „Eingefahrener Gleis, äh, Gleis Zug 4, eingefahrene Richtung... Ringbahn 41, zurückbleiben bitte!“ - Am Bahnhof Herrmannstraße spazierte neulich eine Taube in den Zug hinein; sie wurde mit einem Fußtritt von einem aufgebrachten alten Herrn wieder heraus geleitet. Und nur zu gern erinnere ich mich an das herrenlose Fahrrad eines Morgens, dem ich nach der Arbeit wieder begegnete.

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Das praktische Minispray für Bad und WC
Montag, 12. März 2007

Ups! Das stinkt...

Kennt ihr Brise One Touch? Respektive die vielen billigen Plagiate von Rossmann und Schlecker - Duftsprays zum Übertönen des Kackegeruchs auf dem Klo. Die riechen nach Zitrone, Apfel, salziger Meeresluft oder warmem Frühlingswind. Und haben damit auch eine gewaltige Nebenwirkung: Man assoziiert sie immer mit der Toilette.

Heute morgen saß eine Dame mittleren Alters in der S-Bahn, der offensichtlich (oder besser gesagt offenriechbar) das Parfum ausgegangen war. Fünf Meter gegen den Wind stank sie nach Toilette, pardon, nach Zitronen-Duftspray.

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Wind'oh!s
Dienstag, 27. Februar 2007

Mit Windows ist alles möglich.

Wer diesem Werbespruch damals Glauben schenkte, muss schon nach kurzer Zeit sehr enttäuscht gewesen sein.

Was ich mir wirklich für Windows wünsche, ist ein Tool, mit dem ich die Beschriftung der OK- und Abbrechen-Standardschaltflächen verändern kann. Am besten mit Zufallsmodus.

So erscheint dann in wahlloser Reihenfolge "Fein" oder "Gut" oder "Jaja, blabla" oder gar "Meinetwegen" anstelle von "OK" und statt "Abbrechen" wünsche ich mir Sprüche wie "Mir doch egal", "Lass mich in Ruhe" oder "F*** you (bloody bastard)".

Interessant wären auch Kombinationen wie "Gut - Schlecht" oder "Stimme zu - Bin dagegen" oder "Akzeptiert - Scheiß Microsoft".

Ja, das wär doch was.

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"Was is los, Obelix?"
Mittwoch, 29. November 2006

"... is dir dein Cervesa vielleischt nischt lauwarm genug?"

Dazu gekochtes Wildschwein in Pfefferminzsoße... Das arme Wildschwein. Das hat es nicht verdient.

Habe ich es verdient, warmes Bier zu trinken? Mit Sicherheit nicht, immerhin bin ich Genießer. Ich tu mir dieses Übel freiwillig an, denn ich bin temporär mit Schnodderseuche belastet. Ein warmes Bier ist das geringere Übel - vorausgesetzt, es hält was die Leute versprechen.

Morgen werden wir sehen, ob's mir besser geht.

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Shampoo
Sonntag, 19. November 2006

Es brennt nicht in den Augen! Es ziept nicht in den Haaren!

Mein Papa hat ein neues Shampoo gekauft - irgendso ein Kräuterzeug, dessen Testergebnisse sich angeblich gewaschen haben.

Dieses Shampoo ist unglaublich gut. Es hält all seine Versprechen! Mein Haar ist geschmeidiger, kraftvoller und voluminöser geworden, seitdem ich dieses Mittel benutze.



Und genau das ist das Problem. Ich kann meine schöne lange Wikingermähne nicht mehr offen tragen - der kleinste WIndhauch bläst es in alle Richtungen (vornehmlich in mein Gesicht), mein Haar wippt bei jedem Schritt energisch mit und selbst wenn ich versuche es mit Wachs zu bändigen, behält es seinen eigenen, vom Shampoo infiltrierten revolutionären Willen.

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Frühaufsteher stehen länger früher auf
Dienstag, 14. November 2006

Wer liest noch die P.M.?

Mit wissenschaftlichen Erkenntnissen ist das immer so eine Sache. Manche veranlassen die Leute sich plötzlich schlauer zu fühlen, manche erzeugen Stirnrunzeln und wieder andere blankes Unbehagen.

Nun ist ja bereits vor einiger Zeit wissenschaftlich bewiesen worden, dass Frühaufsteher gesünder sind und länger leben. Mir doch egal, war meine erste Reaktion auf diese Erkenntnis. Einige Jahre später wurde allerdings festgestellt, dass die individuelle Wohlfühlaufstehzeit genetisch bedingt ist.

Eigentlich beruhigend zu wissen. Es liegt mir eben in den Genen, früher als acht Uhr nicht aufstehen zu können. Im Umkehrschluss bedeutet es aber auch, dass meine Gene für meinen frühen Tod verantwortlich sind. Und dabei rechne ich meine Vorliebe für das Aufdembauchschlafen - was angeblich nicht nur rückenfeindlich, nein, rückenvernichtend sein soll! - noch nicht einmal mit ein.

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Die Stadt der jungen Leute
Montag, 16. Oktober 2006

Friedrichstraße, 8:50 Uhr.

Früh morgens sind die Leute arg wunderlich.

Heute bewegte sich ein älteres Ehepaar an
mir vorbei, beide geschätze sechsundsechzig, adrett gekleidet, lächelnd und offensichtlich gut drauf. Ich sage bewusst "bewegen" - die Vokabeln "spazieren" oder "gehen" wären dem Gang der Herrschaften nicht gerecht geworden. Obwohl der Herr eine Zigarette rauchte, roch es in seiner näheren Umgebung nicht verqualmt, sondern angenehm süßlich...

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Haarbüschel des Grauens
Freitag, 29. September 2006

M48, Potsdamer Straße.

In öffentlichen Verkehrsmitteln begegnet einem oft das blanke Grauen. Nicht genug, dass es ständig nach humanoiden Ausdünstungen müffelt. Drauf geschissen, dass man nie einen sauberen Sitzplatz bekommt. Miefende alte Säufer neben einem, na und? Schreiende Blagen, pah.

Das wirkliche Übel lauert in metaphysischer Form.

Zwei Reihen vor mir, neben einem bunt besprenkelten Herrn (wahrscheinlich Maler), saß eine Frau mit einem fettigen graubraunen Lockenmopp auf dem Kopf. Am Scheitel pappten die Haare wie festgeleimt, während sie sich zu den Spitzen hin in tranig glänzenden Strähnen verloren.
Es widerstrebt mir eigentlich, ein solches Übel fasziniert anzustarren. Aber da saß unübersehbar eine kirschgroße Wollmaus an ihrem Kragen, der Farbe nach zu urteilen wohl ihr Eigenhaar. Eine Weile betrachtete ich dieses Objekt, das man aus der Ferne auch gut für eine fette Kreuzspinne halten konnte, mit einer Mischung aus Ekel und Interesse. Der mausgraue Blazer, den die Frau trug, böte einer Kreuzspinne einen gut tarnenden Untergrund, dachte ich bei mir.

Dann bewegte es sich.

Von seinem Untergrund wie ein gut gelaunter Weberknecht auf und ab wippend, krabbelte das Objekt einige Zentimeter den Rücken hinab und machte dann Halt. Es hörte auf sich zu wiegen und saß fortan wieder still. Nur ein glänzender Faden zwischen ihm und dem Kragen schimmerte noch im Licht.

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