Machine Head: The Blackening (CD-Kritik)
Dienstag, 27. März 2007

Am 23. März erschien The Blackening, das sechste Studioalbum der Neo-Thrash-Metal-Könige Machine Head. Nach Through The Ashes Of Empires, das mit seinen Wahnsinnssongs noch heute in meinen Gehörgängen klebt und damals sogar meine Tanzmusik liebende Cousine begeisterte, war die Erwartungshaltung entsprechend hoch.

Ich kann nach wie vor noch Descend The Shades Of Night, Days Turn Blue To Gray oder Imperium auf Knopfdruck in meinem Kopf abspielen. Doch nach bisher zehnmaligem Hören von The Blackening ziehe ich die neuen Melodien ganz klar den altbekannten vor. Versteht mich nicht falsch, Through The Ashes war und ist ein fantastisches Album, das in keinem CD-Regal fehlen sollte – The Blackening aber hat eine ganz neue Magie, was zum einen an der Unverbrauchtheit der Songs, zum anderen am Gesamtkonzept des Albums liegt, das mit progressiveren und weitaus längeren Songs daher kommt und somit deutlich mehr Zeit für sich beansprucht.

Wieder einmal ist das Artwork allererste Sahne; stilvoll in schwarzweiß gehalten und mit kupferstichartigen Illustrationen versehen erinnert es ein wenig an das pestgeplagte Mittelalter und ist in dieser Hinsicht sogar noch wirkungsvoller als das Cover von Belphegors Pestapokalypse VI.

Clenching The Fists Of Dissent beginnt mit akustischen Klängen, ein minimalistisches Gitarrenarpeggio, vergleichbar mit dem von Descend The Shades Of Night, wird begleitet von Robb Flynns entfernten Schreien. Es setzt eine Gitarre ein, Dave McClain jagt die Toms entlang (die übrigens herrlich trocken klingen) und peng! geht ein Machine-Head-typisches Thrash-Inferno los; der Effekt ist derselbe wie damals beim ersten Hören von Imperium. Nach zwei schnellen Strophen und ein paar nach Moshpit schreienden Breaks steigert sich der Song zum ersten Höhepunkt des Albums: ein herrliches Solo und doppelte Gitarrenläufe im Anschluss münden in einen Mitgrölpart, der direkt an Metallicas Creeping Death erinnert – Wahnsinn!

Mit Beautiful Mourning folgt der kürzeste und zugleich zugänglichste Song des Albums. Ein kurzes „Fuck you all!“ setzt den Grundstein für klassischen Bay-Area-Thrash, inklusive Double-Bass-Gewitter und simplen, aber tierisch rockenden Riffs – der Song hätte so auch auf Through The Ashes stehen können.

Aesthetics Of Hate schlägt in die gleiche Kerbe und geht von Anfang an schnell und konsequent zur Sache, wenngleich es ab dem Mittelteil etwas komplexer wird. Das geilste ist das trillerlastige Zweiminutensolo, das man anschließend nicht mehr aus dem Kopf kriegt. Einfach nur geil!

Nach dem doomigen Ende des Songs folgt Now I Lay Thee Down, eine aggressive Ballade mit einer wunderbaren Refrainmelodie. Manchen alteingesessenen Machine-Head-Fans wird das auf den Sack gehen, meiner Meinung nach gibt der Song eine tolle Single ab.

Slanderous drückt danach wieder ordentlich auf die Tube, bleibt aber leider nicht dauerhaft im Gedächtnis hängen. Obwohl der Song gut an Vim von Through The Ashes Of Empires erinnert, fehlt die große Melodie.

Mit einem Groove-Riff, das nicht typischer für Machine Head sein könnte und sofort Lust auf Burn My Eyes weckt, startet der sechste Song Halo. Moshpit, juchhei! So damn fuckin' old school hat man Machine Head schon lange nicht mehr erlebt – bis zum Refrain. Diese Melodie, diese Gitarren! Der Mittelteil bietet ein geradezu maidenesques Gitarrenduell, das einen mit der Zunge schnalzen lässt, danach Moshpart, Groovepart mit Refrainmelodie und das Anfangsriff. In diesem einen Song liegt die Essenz von The Blackening, das beste von Machine Head; dieser Song ist ein Musterbeispiel für gutes Songwriting und trotz Überlänge (neun Minuten) der Überhit des Albums. Unvergleichlich.

Wem das bis jetzt zu viele Melodien und zu viel von Robb Flynns Gesangsstimme war, der sei beruhigt. Wolves packt die Thrash-Keule aus und donnert einem fette Riffs und flinke Doppel-Gitarrenläufe um die Ohren.

Das abschließende A Farewell To Arms startet ähnlich ruhig und atmosphärisch wie seinerzeit Descend The Shades Of Night. Nach einem langen Intro bringen Machine Head dicke Doomriffs, die in ihrer nebligen Schwere an manch guten Moment von Black Sabbath erinnern. Ganz in dieser Stimmung bleibt auch der Refrain, der mit einer kompakten Gitarrenmelodie aufwartet. Nach einer ruhigen Stelle wird aber auch hier noch einmal der Vorschlaghammer ausgepackt – die letzten drei Minuten wirbeln die vorherige Schwere im Nu weg, sorgen damit aber leider auch dafür, dass die schöne Refrainmelodie viele Durchläufe braucht, um sich festzusetzen. In Sachen Ohrwurmcharakter also kein Vergleich mit Descend The Shades Of Night – trotzdem ein exzellenter Albumabschluss, der durch seine offene Struktur Lust auf mehr macht und so dafür sorgt, dass man The Blackening gleich noch einmal hören will.


The Blackening braucht seine Zeit, entwickelt sich dann aber zu einem unvergesslichen Erlebnis. Through The Ashes Of Empires war großartig, mit The Blackening aber schaffen Machine Head ihr Meisterstück.


95 von 100 Punkten.

Schlagwörter für diesen Artikel: , , ,