CD-Kritik: Behemoth - The Apostasy
Dienstag, 24. Juli 2007

Neunzig Prozent der polnischen Bevölkerung sind katholisch. Verwundert es da, dass eine der wichtigsten Blackened-Death-Metal-Bands aus Polen kommt?

Wenn es Sie verwundert: Suchen Sie bitte umgehend den CD-Händler Ihres Vertrauens auf, hören Sie „The Apostasy“ und lassen Sie sich inspirieren – denn Behemoth liefern mit ihrem neuen Album ein Lehrstück in Sachen blasphemischer Brutalität ab (wenn Sie der eingangs genannte Fakt nicht verwundert, haben Sie sich das Album eh längst gekauft).

 

Schon der Opener „Slaying The Prophets Ov Isa“ macht unmissverständlich klar, welche Marschrichtung Behemoth sowohl musikalisch als auch lyrisch einschlagen. Wahnsinnig vertrackte Blastbeats und originelles Riffing pürieren einem schlichtweg das Gehirn zwischen den Ohren. Mit einer beeindruckenden technischen Versiertheit geht es auch in den folgenden Songs „Prometherion“ und „At The Left Hand Ov God“ weiter, letztgenannter glänzt mit einem Gitarrensolo fernab jeglicher harmonischer Konventionen.

Überhaupt kann sich die Gitarrenarbeit auf diesem Album wirklich sehen lassen. Die Riffs sind fast durchgehend originell und modern, nur selten schleichen sich ausgelatschte Harmonien und Black-Sabbath-Tribute-Riffs ein.

Noch einen Zacken schärfer ist das Drumming von Trommeltier Inferno. Was er an seinem Drumkit für Sachen anstellt – Tempiwechsel, schrägste Fill-ins und teilweise sogar polyrhythmisches – ist einfach atemberaubend.

 

Und obwohl Behemoth mit „The Apostasy“ gnadenlos alles meucheln, was sich ihnen in den Weg stellt, bin ich am Ende doch enttäuscht. Das tolle Riffing hin oder her, über das Drumming lässt sich eh nichts Schlechtes sagen – was fehlt, ist einfach die Atmosphäre. Technische Erhabenheit ist eben nicht alles. Ein paar (mehr gewollt als gekonnt arrangierte) Chöre, hier und da (nicht gerade tight) gedoppelte Screams und die manchmal auftauchenden (zu sehr nach Retorte klingenden) Bläser reichen nicht aus, um das fehlende Stück Atmosphäre zu schaffen.

 

Nach knapp zehnmaligem Hören konnte ich nichts Neues mehr entdecken. Was bleibt, ist ein sehr hartes Stück Todesmetall. Nicht mehr und nicht weniger.

 

75 von 100 Punkten.

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Nachtaktive Schweden aus Detroit
Sonntag, 1. Juli 2007

Der 21. September ist nicht nur mein Geburtstag, sondern in diesem Jahr auch (Un-) Heiligabend, denn dann erscheint Nocturnal, das dritte Album von The Black Dahlia Murder, einer meiner absoluten Lieblingsbands. Neben Ithyphallic von Nile ist Nocturnal das Album, das ich dieses Jahr am sehnlichsten erwarte - ich fange sogar schon an die Tage zu zählen. Noch 82. Und noch 38 Tage, bis The Black Dahlia Murder nach Berlin kommen, um das SO36 zu zerstören (8. August).



Für alle die sich jetzt fragen, was ich an dieser Band so geil finde - hier das Video zu Miasma, dem Titelsong des zweiten Albums:

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CD-Kritik: Turisas - The Varangian Way
Freitag, 29. Juni 2007

Ich gehöre ja zu der Gruppe Menschen, die ihr weniges sauer verdientes Geld noch regelmäßig für CDs ausgeben. Also keine Rohlinge, sondern bespielte Audio-CDs, so richtig mit Booklet und GEMA-Code. Und nicht nur das: Ich streiche mir auch alle wichtigen Erscheinungsdaten dick im Kalender an, lese Fachpresse und sehne jedes neue Album einer von mir favorisierten Band mit viel Ungeduld herbei.

Der nächste Termin in meinem Kalender ist der 20. Juli – dann erscheint „Ithyphallic“, das neue Album von Nile. In der Zwischenzeit bin ich sogar so ungeduldig geworden, dass ich letzte Woche spontan zum Saturn am Alex gefahren bin und die ganze Heavy-Abteilung durchgestöbert habe. Gekauft habe ich letztendlich „The Varangian Way“, das neue Album von Turisas, erschienen am 15. Juni.

Es stand nicht auf meinem Plan. Ich habe Turisas vor zwei Jahren mal auf dem Earthshaker Fest gesehen, sie waren eine der besten Bands des Festivals. Ich kenne auch „Battle Metal", das Debütalbum der Finnen von 2004 sehr gut. Trotzdem hatte ich den Kauf von „The Varangian Way“ nicht geplant – doch als ich es bei Saturn in Händen hielt, wusste ich instinktiv, dass ich mich nicht im Nachhinein ärgern würde.

 


„The Varangian Way“ ist eine halbfiktive Handelsroute aus dem 11. Jahrhundert, an deren Stationen sich das Album entlang rockt. Sehr schön ist dieses Konzept auch auf dem Backcover dargestellt: In Form einer Karte Osteuropas, auf der die Songs als Reiseroute angeordnet sind.

Auch musikalisch geht das Album eine abenteuerliche Reise. Der eröffnende Titel „To Holmgard And Beyond“ (als Single erschienen und auf der MySpace-Seite der Band zu hören) beginnt bombastisch mit Posaunen, Doublebass und tollen Chören. In Struktur und Rhythmus erinnert der Song stark an „One More“ vom Debütalbum – durch seine kräftigen Melodien bleibt er sofort im Ohr hängen.

Der zweite Song „A Portage To The Unknown“ schlägt in eine ähnliche Kerbe. Beginnend mit einem knisternden Akkordeon schwenkt der Song schnell in eine tolle Wechselstimmung aus wagnerianischem Refrain und leichten Zwischenparts um. Auch die Melodie dieses Songs bleibt sofort im Ohr hängen – besonders bei Klassikfreunden wie mir, denn ihnen wird auffallen, dass die erste Hälfte des Themas aus Smetanas „Die Moldau“ übernommen ist.

„Cursed Be Iron“ ist der Titel des dritten Songs, passend dazu wird hier waschechter Todesstahl geschmiedet. Der Song kommt fast völlig ohne Chöre und Orchestrierung daher und passt trotzdem hervorragend.

Symphonisch geht es dafür mit „Fields Of Gold“ weiter. Obwohl der Song an sich klasse ist und sich wunderbar in den Rest des Albums einfügt, fällt mit ihm die Spannung und Qualität ein wenig ab. Nach den vorangegangenen drei Übersongs aber auch nicht verwunderlich. „Fields Of Gold“ leitet sozusagen den harmlosen Mittelteil des Albums ein, damit der Hörer zum Ende hin noch genügend konzentriert ist.

Harmlos geht es weiter mit „In The Court Of Jarisleif“, einem kurzen Klezmer-durchtränkten Partysong. Live wird dieser Song bestimmt tierisch abgehen, auf Platte nervt er mich etwas.

Eine ruhige, tröpfelnde Klaviermelodie mit viel Delay, die mich an irgendeine Filmmusik erinnert (Forrest Gump? American Beauty?) leitet „Five Hundred And One“ ein, den für mich besten Song des Albums. Perfekte Dramaturgie, Melodien zum Niederknien und wieder diese Chöre, die einen schlichtweg umhauen. Grandios.

„The Dnieper Rapids“ anschließend schlängelt sich genau so unvorhersehbar dahin wie der namensgebende Fluss, im letzten Drittel gesellt sich sogar eine Hammondorgel dazu. Irgendwie komisch, aber gut.

Die abschließende „Miklagard Overture“ schlägt in Melodie und Struktur wieder einen Bogen zum Eröffnungssong, außerdem fühlt man sich ständig an die besten Momente aus „Battle Metal“ erinnert. In erhabenem Midtempo donnert dieser Song durch die gesamte Stilistik von Turisas, nimmt sogar noch obskure Seventies-Hard-Rock-Elemente mit auf, um sich am Ende in eine dieser Gänsehaut erzeugenden Chorpassagen zu steigern. Bombast pur.

 

Man merkt „The Varangian Way“ deutlich die drei Jahre Entwicklungszeit an; bildet es doch eine folgerichtige Weiterentwicklung des auf „Battle Metal“ etablierten Stils. „The Varangian Way“ ist dabei sehr viel geschlossener als der Vorgänger, verliert nie den roten Faden und bringt auch wieder die obskuren Jazz-Einflüsse mit, die „Battle Metal“ so charmant machten – freilich ohne solch fürchterliche Momente wie den weiblichen Gesang aus „Midnight Sunrise“ zu wiederholen.

 

„The Varangian Way“ ist ein tolles Album, das eine fesselnde Atmosphöre verbreitet und für das erst zweite Album einer Band erstaunlich erwachsen klingt. Schade nur, dass es mit 43 Minuten etwas kurz ist.

 

85 von 100 Punkten.

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Wer zu spät kommt, bezahlt teuer und bekommt einen Bonus
Montag, 18. Juni 2007

Ich glaube ja fest daran, dass hinter jedem Musikalbum ein gewisses Konzept steckt. Sicherlich heißt das nicht, dass jedes Album ein Konzeptalbum ist - gewisse lyrische und musikalische Pläne macht sich aber bestimmt jeder Künstler vor einer Veröffentlichung.

So richtig ins Konzept dieses Konzeptglaubens passen Bonustracks gerade nicht. Bisher habe ich auch immer einen großen Bogen um CDs mit Bonustracks resp. die Bonustracks selbst gemacht. Zwar kaufe ich aus Überzeugung von nahezu jedem Album die limitierte Special-Digipack-plus-Bonustracks-anderem-Cover-Making-of-und-noch-viel-mehr-Edition. Aber ganz koscher sind mir Bonustracks doch nicht.

Bis jetzt. Mittlerweile habe ich schon drei Alben gefunden, bei denen die Bonustracks der Special Edition das Sahnehäubchen auf der ohnehin schon salz- und gewürzreichen Suppe darstellen:

Opeth - Ghost Reveries. Der auf der Special Edition enthaltene Bonustrack Soldier Of Fortune, ein Deep-Purple-Cover, ist melodisch-melancholisch und lässt mich jedes Mal in Träumen und Schwelgen verfallen.
Amorphis - Eclipse. Der auf der Digipack-Version enthaltene Bonustrack Stone Woman rockt sowas von tierisch meine Vorliebe für Death Metal und Siebziger-Hard-Rock, dass ich fast immer ein Grinsen beim Bangen habe!
Nile - Annihilation Of The Wicked. Der auf der japanischen Ausgabe enthaltene Bonustrack Sss Haa Set Yoth ist wie steigernde Zusammenfassung des ohnehin großartigen vorangegangenen Albums. Atmosphärisch, technisch wie Hölle und mit einem Gänsehaut erzeugenden Schlussteil.

Fazit: Ich werde auch weiterhin nur die Special Editions kaufen.

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CONSIN live im Fuchsbau - 02.06.2007
Freitag, 1. Juni 2007

It applies to now and forever.

Ab sofort werde ich auch an dieser Stelle alle bevorstehenden Gigs meiner Band Consin ankündigen.

Morgen spielen wir im Fuchsbau in Berlin-Reinickendorf, zusammen mit phonEpic und Chayenne. Mehr Infos gibt's unter www.consin.de.

Einen Vorgeschmack auf das Konzert bietet unser Musikvideo zu "Forever":

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